Die Behandlung

Im Krankenhaus wurde die Wunde gereinigt und die Haut abgetragen, alles ohne weitere Schmerzmittel (wir hatten ihm zu hause schon schnell Paracetamol gegeben) und die Verbrennung wurde auf 2 eingestuft und wir wurden mit einem Flammazine-Verband nach Hause entlassen mit der Auflage jetzt täglich zum Verbandwechsel zu kommen.

Verbrüht waren 2% KOF, am schwersten betroffen war die rechte Hand, die vom Hangelenk bis mitte Unterarm verbrüht war, ausserdem war noch eine größere Stelle am Bein, sämtliche Zehen des rechten Fusses, an der rechten Schläfe und auf dem Kopf.

Für die Nacht haben wir 1! Zäpfchen Paracetamol mitbekommen.

Die nächsten Tage sind wir täglich zum Verbandswechsel ins Krankenhaus gegangen, hatten jeden Tag einen anderen Arzt und hörten unterschiedliche Meinungen. Von das sind nur leichte Verletzungen, die heilen von allein, bis sie müssen abwarten das sind Verbrühungen 2b (worauf wir warten müssen wurde uns aber auch nach mehrmaligen Nachfragen nicht gesagt) oder gar es ist 3 gradig und muss transplantiert werden aber erst wenn die 2gradigen Stellen abgeheilt sind. Mir kam das Krankenhaus überfordert vor und so machte ich mich auf Suche nach Informationen und bin auf der Seite von Paulinchen gelandet und habe dort gesehen, das die Schwerpunktkliniken für Verbrennungen für uns entweder Hamburg oder Hannover sind. Darin bestätigt hat mich auch Frau Gottwald von Paulinchen, mit der ich sehr netten Emailkontakt hatte und ich kann Paulinchen allen betroffenen nur sehr empfehlen.
Da wir ursprünglich aus der Nähe von Hannover kommen habe ich im Kinderkrankenhaus auf der Bult angerufen und dort sogar mit einem Arzt sprechen können, der uns gebeten hat zu kommen (bis 20 Uhr jeden Tag dürften wir aufschlagen). So sind wir noch am 1.12.2004 abends im Kinderkrankenhaus auf der Bult in Hannover angekommen, dort wurde die Wunde erstmal in Analgosedierung richtig gereinigt, Nekrosen abgetragen und beurteilt auf Verbrühungen 2a/b rechter Unterarm bis Handgelenk vorallem Innenseite. Malte hat einen Hydrocolloidverband bekommen der nun nur noch 2mal die Woche gewechselt werden musste (so das er auch nicht ständig die offene Stelle sehen musste) Ausserdem wurden wir vernünftig aufgeklärt. Wir müssten jetzt vom Zeitpunkt des Unfalls 3 Wochen warten ob noch genügend eigene Hautzellen vorhanden sind um eine Selbstheilung herbeizuführen. Sollte das nicht der Fall sein, müsse transplantiert werden



Genau nach 3 Wochen war das dann auch gottseidank geschehen und er durfte ohne Verband rumlaufen und wir bekamen einen Termin zur Verbrennungssprechstunde Ende Januar und die Auflage ganz viel zu cremen. In der Hoffnung jetzt erstmal ruhe zu haben fuhren wir wieder nach Hause.

Nach 4 Tagen ohne Verband der erste Rückschlag, im Kindergarten ist Malte gegen die Rutsche gestolpert und hat sich eine neue Wunde an der verbrühten Haut zugezogen, also wieder im KH angerufen, dort wurden wir an den Hausarzt verwiesen der das auch schnell gut in den Griff bekommen hat. Kurz nach Weihnachten war dann wieder alles in Ordnung. Doch die Ruhe währte nicht lange.

Am Neujahrstag riss die Haut nach einer kleinen Berührung auf nur 3 mm wieder auf. Also Bebanthen drauf und einen kleinen Verband zum Schutz. Als wir den abends dann wechselten sahen wir eine riesige Blase. Da wir am nächsten Tag eh nach Hannover wollten, und wir hier dem Notdienst nun auch nicht mehr so vertrauten sind wir gleich am 2.1. morgens wieder in die Bult gefahren. Diagnose: Eine Spannungsblase und wieder musste die Haut unter Analgosedierung abgetragen werden, wieder das ganze von vorn, immer wieder hiess es wenn es nicht besser wird muss er hierbleiben und doch noch transplantiert werden. Nach 2,5 Wochen alle 3-4 Tage Verbandwechsel war es dann doch entlich wieder zu.

Und da war es dann auch schon Zeit für die Verbrennungssprechstunde am 24.1.2005. Dort erstmal die Entwarnung Transplantiert werden müsste er nicht mehr, aber da die Wunde doch sehr tief war und auch am Handgelenk sitzt bekommt er jetzt eine Kompressionsmanchette, (die in Walsrode sagten uns damals als ich nach so einer Manchette gefragt habe, das sowas doch für so eine kleine leichte Verbrennung nie genommen wird - noch eine Fehleinschätzung) die noch dort in der Verbrennungssprechstunde vermessen wurde. Ab jetzt müssen wir in regelmässigen Abständen zur Verbrennungssprechstunde nach Hannover fahren. Nach einer Woche konnten wir die Kompressionsmanchette in Hannover abholen, seitdem trägt Malte sie regelmässig ohne Murren, wenn wir sie wechseln, besteht er sogar darauf, schnell wieder eine neue anzuziehen


Nach 3 Monaten tragen sind die dunklen Stellen schon fast um die Hälfte kleiner geworden und wir sind sehr optimistisch, das es fast ohne Narben ausgeht. Aufpassen müssen wir beim Spielen im Sand, denn ab und an kann da mal im Eifer des Gefechtes Sand am Rand unter die Manchette gelangen, was zu Reizungen führt, dort ziehen wir sie öfter mal kurz aus und schütteln sie aus und reinigen die Haut mit Wasser.

Ein halbes Jahr nach dem Unfall hat der Sommer begonnen. T-shirt-Wetter und eine ständig sichtbare Manchette. Oft wird Malte darauf angesprochen und es macht mich stolz zu erleben, wie super er damit umgeht. Er erzählt sehr genau vom Unfall und das er die Manchette braucht, damit die Haut keine Berge macht. Damit hat er sogar schon eine Krankenschwester verblüfft.

Zum täglichen Waschen und regelämässigen Eincremen ist nun noch der Sonnenschutz dazu gekommen. Es ist sehr wichtig das die verbrannten Stellen vor der Sonne geschützt werden. Die Manchette selber bietet überhaupt keinen Schutz.
Die Stellen müssen mit einer speziellen Sonnencreme Stärke 60+ eingecremt werden (die aber nicht von den Krankenkassen übernommen wird).

Besonders schlimm sieht es nach dem Baden aus, da wird die gesamte Stelle blau und leichte Erhöhungen sind spürbar.
Auch ist die Struktur der Haut, die wieder eine helle Farbe angenommen hat eine ganz andere.



Viele Leute fragen unglaubwürdig das es immer noch nicht verheilt ist und vielen wird jetzt erst klar, das es eben nicht nur eine leichte Verbrennung war, sondern ein schwerer Unfall.

Für uns als Familie gehört es einfach dazu, selbst die KLeine mit ihren drei Jahren erinnert uns täglich ans Schettewechseln (in ihren Worten).

Malte wartet gespannt auf den nächsten Termin in der Verbrennungssprechstunde, Mitte Juli, aber so wie es aussieht wird er die Manchette auch noch ein paar Monate tragen müssen.

Am 18. Juli war es dann endlich so weit - es ging zur Verbrennungssprechstunde. Vorher merkte ich das Malte sein Trauma noch nicht verwunden hat, weil er Angst davor bekam, das sie die HAut wieder abmachen müssen. Denn gerade jetzt im Sommer wenn er planscht, ist die Manchette manchmal länger als die halbe Stunde ab und die Haut reagiert dann doch noch recht stark und schwillt an. Aber als er dann die Ärztin wieder gesehen hat, taute er auf. Es ist schon sehr gut geheilt, aber etwa eine Fläche von ca 1,5 mal 1,5 cm an der stelle der drittgradigen Verbrennung ist noch aktiv
So wurde sein Arm vermessen und eine neue Manchette angepasst, die er nun bis Anfang Januar weiter so streng tragen muss.

Wahnsinn wie die Zeit vergeht. Hätte mir vor einem Jahr jemand gesagt, das die Behandlung so langwierig wird, hätte ich das nicht geglaubt.
Im Januar 2006 waren wir wieder in der Verbrennungssprechstunde im Kinderkrankenhaus an der Bult in Hannover. Die Narbe ist weiterhin gut geheilt, aber sie ist noch rosig und somit aktiv. Da Malte aber mittlerweile ein megaaktives Kind geworden ist, scheuert die enge Kompressionskleidung sehr am Handgelenk, so das dort noch zusätzlich Rötungen sind. Deswegen muss er ab jetzt die Kompressionskleidung nur noch nachts tragen und tagsüber bekommt er Silgel. Ein Silikongel, das die Narbe weich halten soll und sich wie ein Film auf die Narbe legt.
Die ersten Tage waren schon komisch für ihn, so ohne Manchette, und er zieht sie abends gern wieder an, sie bietet ihm einfach Schutz.


Das Bild zeigt Maltes Arm im Februar 2006.
Die Narbe ist nur noch an einer kleinen Stelle aktiv, also rot. Ansonsten sind deutlich sichtbar die Struktur und Farbveränderungen der verbranten Haut, aber ansonsten ist die Narbe bis auf eine kleine Stelle sehr glatt und eben

Mal gucken, wie es sich entwickelt. Im Juni kurz nach seinem 6. Geburtstag müssen wir wieder zur Kontrolle. Vielleicht ist ja zum Schulstart im September dann (fast) alles vergessen. Sichtbar wird es bleiben und ganz vergessen werden wir es auch nie, aber wir sind glücklich und dankbar, das es so super abgelaufen ist und das Malte ein so verständiges Kind ist, der das super weggesteckt hat

Am 12. Juni waren wir dann wieder in Hannover.Malte hatte einen Termin zur Verbrennungssprechstunde. Leider war heute Frau Dr. Sinnig nicht da, die Malte schon vertraut ist, aber es war auch so ok.
Die Narbe sieht schon sehr gut aus und ist schön weich. Allerdings soll er auch weiterhin nachts die Kompressionsmanchette tragen (wurde auch gleich vermessen, denn er braucht dringend eine neue, die andere sieht aus wie Schweizer Käse), morgens und abends sollen wir die Narbe mit Druck gut massieren zwischendurch auch Malte selber.
Auch an den Sonnenschutz müssen wir weiterhin denken. Leider übernimmt die Krankenkasse die sündhaft teure Sonnencreme nicht :(
Den nächsten Termin zur Verbrennungssprechstunde hat Malte im Januar 2007. Dann ist der Unfall schon 26 Monate her. Mal schauen, wie es dann weitergeht.
Malte selbst stört es nicht, das er weiterhin nachts die Manchette tragen soll, auch wenn wir alle gehofft hatten, das es jetzt gut ist. Ich glaub, dieses Mal knappsen wir als Eltern mehr daran.

Kurz vor der Einschulung wird Malte jetzt so langsam bewusst, das seine Haut doch anders aussieht (kann auch sein das er in unserer Abwesenheit darauf angesprochen wurde) und fragt immer öfter, ob das nun so bleibt. Manchmal fängt er dann auch an zu weinen und sagt ich möchte doch ganz normale Haut haben.
In diesen Situationen bin ich oft sehr hilflos und versuche ihm Mut zu machen, das es noch etwas besser wird und der normalen Haut immer ähnlicher, aber eben auch zu wissen, ganz wie normal wird es eben doch nicht.

Im Januar 2007 war es dann wieder so weit, wir mussten wieder zur Verbrennungssprechstunde in Hannover. Maltes Haut ist super geheilt und er braucht keine Kompressionskleidung mehr.
Allerdings müssen wir weiter regelmässig zweimal täglich mit Creme massieren und im Sommer auf den hohen Sonnenschutzfaktor achten. Ab jetzt müssen wir auch nur noch einmal jährlich zur Kontrolle, wo es hauptsächlich darum geht, ob das Narbengewebe am Handgelenk auch mitwächst, oder ob es nochmal eine Korrektur-OP geben muss.
Da es jetzt so gut ist, werde ich hier den Bericht vorerst schliessen und nur bei starken Veränderungen wieder berichten.
Wir danken nochmal allen, die uns in dieser Zeit begleitet haben, unsere Familien und Freunde, die Leute von Paulinchen e.V. und die Ärzte im Kinderkrankenhaus an der Bult in Hannover.


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