Unser Brand

25/26.11.2003
Das letzte Jahr war so ereignisreich, hat vieles ins Wanken gebracht, hat uns verändert.
Ich möchte hier unsere Geschichte erzählen, als Dank, an diejenigen, die uns zur Seite gestanden haben,
aber auch als Fingerzeig, wie schnell etwas passieren kann, ohne das wir etwas ändern können.

Am Abend des 25.11.2003 haben wir noch in unserem Arbeitszimmer im Dachgeschoss gesessen,
ich habe noch etwas für die Arbeit gestaltet und Jens hat am PC gespielt.
Gegen 23..30 Uhr haben wir die Kerzen gelöscht!!! und sind ins Bett gegangen.
Und dann begann ein Alptraum.

Jens ist nachts wachgeworden, ist auf Toilette gegangen und weil er in einem Computerspiel (Destinysphere) eine spannende Aktion gestartet hatte, ist er (zum Glück) hoch ins Arbeitszimmer. Doch bis zu seinem PC kam er gar nicht. Im Vorraum hat er noch nix gemerkt. Die Glastür hat alles hermetisch abgeriegelt. Als er die öffnete, nur noch beissender Qualm. Er hat versucht zu löschen, dann hat er mich geweckt, mitten im tiefsten Schlaf stand er vor mir am Bett und rief komm Claudia schnell es brennt hol Wasser und Tücher. Ich bin dann einmal mit einem Eimer hoch und habe dann gleich gesagt das schaffen wir nicht komm raus hier ich ruf die Feuerwehr. Er hat es dann doch noch weiterversucht (heute ist uns klar das das ein Irrsinn war aber unter Schock macht man nunmal unvernünftige Sache) doch als es plötzlich am anderen Ende des Raumes zischte als er Wasser auf den Fussboden gegossen hat, hat er alles stehen und liegen gelassen die Kinder rausgeholt und ich derweil schon die Feuerwehr alamiert. Ich möchte meine Stimme auf dem Aufzeichnungsgerät der Rettungsstelle nicht hören, ich glaub ich war total durcheinander. Die Zeit bis die Feuerwehr kam, war auf der einen Seite sehr schnell (Dank an die Walsroder Feuerwehr) dauerte für uns aber ewig. Ich hab nur reflexartig das Haus aussen beleuchtet und hab Jens rausgeschickt, wärend ich die Kinder im Wohnzimmer beruhigt habe. Die Feuerwehr ist komplett angerückt ist mit schwerem Atemgerät hoch und hat den Fussboden aufgesägt und den Schwellbrand der sich schon über die gesamte Hausbreite in der Zwischendecke ausgebreitet hatte mit einer Kübelspritze gelöscht, dank diesem besonnenen Handeln war unser Haus noch bewohnbar und nicht von Unmengen von Löschwasser komplett zerstört. In der Zwischenzeit wurden wir noch von der Kripo verhört (das ist ganz normal um die Schadensursache zu ermitteln) ich habe meine Eltern benachrichtigt, habe mit einer Freundin telefoniert (danke das man bei euch allen schon morgens um 6 ein offenes Ohr findet!) und ein Freund der auch bei der Feuerwehr ist kam und hat mir immer gesagt was gemacht wurde - Danke Benjamin.

Hier mal ein Ausschnitt was ich am nächsten Tag einem Forum geschrieben habe:
Ein Alptraum aber 1000 Schutzengel
Hallo ihr Lieben ich bin jetzt bei meinen Eltern, da die Wohnung erstmal nicht so ohne weiteres bewohnbar ist weil wir in vielen Bereichen keinen Strom haben. Aber wenn wir dann wieder zu Hause sind werde ich nicht online gehen können weil wir keine PCs mehr haben. Was ist passiert. Wir haben gestern abend noch kurz am pc gesessen dann bin ich runter und kurze Zeit später auch Jens. Der hat auch die Kerzen ausgepustet. (definitv auch wenn man es uns nciht glaubt) denn es war dunkel wir hatten kein Licht an und dann hätte er eine brennende Kerze gesehen. Jedenfalls muss dort in der NÄhe der Brandherd sein. Als er um 5.30 Wachgeworden ist weil er nciht mehr schlafen konnte, ist er wie üblich an den PC gegangen. BZW wollte er denn er konnte nicht hin weil alles voller qualm und kleineren Brandherden war. ER hat mich dann gleich geweckt udn ich dachte ich bin in einem Alptraum. Wir haben erstmal versucht selber zu löschen. ABer es überall zischte als wir wasser draufgekippt haben haben wir schnell die Feuerwehr angerufen. udn die Kinder geweckt und raus. Die Feuerwehr kam auch gnaz schnell mit 4!!! Fahrzeugen. Sie mussten mit schwerem Atemschutzgerät rein und einen TEil des Fussbodens aussägen umd an den Brandherd zu kommen.nach 2,5 STunden war dann alles gelöscht. Bis jetzt konnten wir noch nicht aufräumen weil noch nicht alle Sachverständigen da waren. Nur eine knappe Stunde später also noch nicht mal zu der Zeit wo wir normal aufgestanden wären wäre nicht mehr viel übergeblieben. Denn dann hätte sich der Brand nach unten durchgebrannt zu Malte ins Zimmer und hätte dort neue Luft und Nahrung bekommen und alles wäre in Sekunden in Flammen aufgegangen.
Wir haben 1000 Schutzengel gehabt
In den folgenden Tagen kamen die Versicherungsleute und haben den Schaden aufgenommen, wir haben oben ausgeräumt alles was durch das Feuer direkt (was nur wenig Schaden angerichtet hat, das schlimmste ist der Qualm der überall hinzieht) oder durch den Rauch kaputt gegangen war wurde auf einen Container gebracht.
Bei manchen Stücken musste ich echt weinen, weil soviele Erinnerungen drin stecken. Die meisten Fotos konnten wir retten, einige waren aber durch die große Hitze verklebt und sie waren unwiederruflich zerstört. Alle machten uns Mut, das das alles schnell beseitigt werden würde und wir schon bald wieder oben im Arbeitszimmer sitzen können würden. (heute wissen wir es besser) uns wurde Hilfe von allen Seiten angeboten, vieles brauchte wir nicht, doch manches wurde auch dann nicht eingehalten.
Gegen uns wurde dann auch wegen fahrlässiger Brandstiftung ermittelt, weil für die meisten die Kerzen ursächlich waren.

Die Brandursache ist bis heute nicht genau geklärt und wird es auch nicht mehr werden, weil wir in dem späteren Gerichtsverfahren einen Vergleich angenommen haben und die Brandsache damit abgeschlossen ist. In dem ersten Schreiben der Kripo wird von zwei Brandstellen gesprochen, einem Kabelbrand und einem Kerzenbrand, "ursächlich scheinen die Kerzen, ein technischer Defekt scheint unwahrscheinlich" Beide Stellen sind ca 75 cm auseinander das Bild zeigt den Kabelbrand, der für uns ursächlich ist (und viele die später als alles weggeräumt war, die alte Dämmung rausgerissen war, gilt das genauso) Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren im Februar wegen "allenfalls leichter Fahrlässigkeit" eingestellt. Die Versicherungen haben dieses Urteil aber nicht angenommen und haben weiterhin auf grobe Fahrlässigkeit bestanden, mit der sie nicht zahlungspflichtig sind. Also mussten wir klagen. Es folgten zahlreiche Briefe von beiden Seiten, teilweise kamen wir uns vor wie in einem schlechten Film, haltlose Beschuldigungen, falsche Angaben und vieles mehr - wie eine Schlammschlacht. Den Glauben an Versicherungen hatten wir fast verloren. Ende August 2004 kamen dann die Einladungen zu den beiden Verhandlungen, sie sollten Ende Oktober also 11 Monate nach dem Brand stattfinden. Aber inzwischen mussten wir den zweiten Schicksalsschlag hinnehmen.

3.8.2004
Ein Alptraum wiederholt sich
Am Morgen des 3. August klingelt bei uns das Telefon, mein Mann ging ran, und ich hörte nur ein Oh nein nicht schonwieder und noch andere fetzen und machte mir Sorgen und rief immer Jens was ist, dann hörte ich nur wie er sagte, erzählt es Claudia selber und reichte mir den Hörer mit den Worten: dein Vater. Und vor meinen Augen lief ein alter Film ab. In der Nacht vom 2. auf den 3. August ist meine alte Kellerwohnung bei meinen Eltern aufgrund eines technischen Defektes ausgebrannt. Wieder gab es 1000 Schutzengel, da der Brand kurz vor der Heizung war, so das auch das Nachbarhaus noch evakuiert werden musste. So wie meine Eltern damals bei uns sofort gekommen sind und uns geistig und körperlich Unterstützung gegeben haben, sind wir sofort ins Auto und zu meinen Eltern gefahren. Dort sah alles noch viel schlimmer aus und meine Alpträume, die so langsam am abklingen waren, bekamen neue Nahrung. Der Schaden war hier noch viel größer weil eine ganze Wohnung betroffen war und weil es hier im Gegensatz zu unserem Brand ein offener Brand war. Allerdings ging hier die Schadensregulierung mustergültig von statten, so das die Wohnung innerhalb von 9 Wochen wieder bewohnbar war.

Oktober 2004
Nach 11 langen zermürbenden Monaten war die erste Verhandlung vor dem Landgericht Verden gegen die Gebäudeversicherung.
Wir sassen 3 Richtern und dem gegnerischen Anwalt und einer Vertreterin der Versicherung gegenüber. Es ging hin und her, das Gericht hatte vorweg schon einen 2/3 Vergleich als Vorschlag gemacht, wir wollten eigentlich das ein Gutachter rauskommt damit ein für alle mal die Ursache geklärt wird.
Allerdings waren wir uns nach dem Schriftwechsel der standfand auch sicher, das die Versicherung einem Vergleich nie und nimmer zustimmen wurde. Doch es kam anders sie machten einen Vergleichsvorschlag der sehr niedrig war, das Gericht sah auch bessere Chancen auf unserer Seite, hat uns aber auch vor dem monate langem weiterem Prozess mit nicht 100% Ausgang für uns gewarnt und unsere Kraft schwand. Nach einem Ringen haben wir uns auf den 2/3 Vergleich geeinigt und wir merkten das es uns damit gut ging, weil endlich es weiter ging. Denn bis jetzt war oben noch alles so wie direkt nach dem Brand, es stank noch bestialisch, alles was gerettet werden konnte, stand in Kisten verpackt, die PC´s die wir ja auch zum Arbeiten brauchten, standen im Wohnzimmer und alles erinnerte uns an die Geschehnisse.
Zwei Wochen später sollte der zweite Prozess gegen die Hausratversicherung sein. Am Abend vorher rief unser Anwalt an, ob wir mit einem erneuten 2/3 Vergleich einverstanden wären, dieses hätte der gegnerische Anwalt nach dem Ausgang des ersten Prozesses vorgeschlagen, wenn ja bräuchten wir uns nicht mehr auf die Reise zum Landgericht Hannover machen, da er das dann allein regeln könnte. Dieses haben wir dann auch angenommen und so gab es zumindest rechtlich gesehen am 28.10.2004 einen Schlussstrich unter den Brand. Mitte November war dann auch alles Geld da und wir haben mit Hochdruck angefangen zu renovieren, weil wir jetzt den Ehrgeiz hatten zum Jahrestag unser Arbeitszimmer wieder zu beziehen. Die gesamte Dämmung im Dachgeschoss musste ausgewechselt werden, weil alles schwarz vom Russ und Qualm war und stank. Die Holzverkleidung musste rausgerissen werden und ein neuer Fussboden eingezogen werden, dann alles mit Rigips neu verkleidet werden, tapeziert und Parkett verlegt werden. Ausserdem wollen wir noch die zwei kleinen Fenster gegen ein großes austauschen (eine Empfehlung der Feuerwehr, damit wir im Falle eines Falles, den wir uns und auch keinem anderen wünschen durch dieses Fenster gerettet werden könnten), dieser Austausch kann leider wegen der nassen und stürmischen Witterung erst später gemacht werden, so bleibt eine Ecke noch im Rohbau, Aber wir haben es geschafft, die Tapeten kleben der Fussboden ist fertig ein Teil der Möbel steht auch schon und so werden wir pünktlich zum Jahrestag dieses schreckliche Jahr, in dem noch viele kleinere und größere Schicksale über unsere Familie kamen und uns geprägt haben abschliessen und hoffen, das wir alles Pech für die nächsten Jahre damit hinter uns haben.
Wir danken unseren Familien, besonders aber Claudias Eltern, die uns tatkräftig und moralisch zur Seite gestanden haben und allen unseren Freunden für die offenen Ohren
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Montag, 11. Dezember 2017
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